"Wir schneiden die Haare ab". Foto: Timo Raab ( www.timoraab.de)
"Wir schneiden die Haare ab". Foto: Timo Raab ( www.timoraab.de)

Bloggerin Christine: Von Yoga, Zahnspangen und Brustkrebs

Christine wurde 1982 in Aschaffenburg geboren, wohnt mittlerweile mit Mann und Hund in Großostheim und ist auf der Suche nach einem Bauplatz für das eigene Heim. Nach einer Ausbildung zur Erzieherin hat sich Christine Ende 2011 als Make-Up Artist in die Selbstständigkeit gewagt – daneben bloggt sie was das Zeug hält. Auf ihrem Blog und Youtube Kanal sind die unterschiedlichsten Themen zu finden: Von Schminktipps, über Yoga bis hin zu sehr persönlichen Dingen, wie z.B. ihre Brustkrebserkrankung. Wir haben Christine für Euch interviewt (Hier geht’s zu Christines Instagram-Kanal und Podcast):

Christine im Interview

Aschaffenburg erleben (AE): Mit welchen Themen beschäftigst Du Dich auf Deinem Channel und Blog?
Christine: Auf meinem Blog und dem YouTube Kanal geht es um verschiedene Themen. Allen gemeinsam ist der natürliche und ganzheitliche Ansatz. Ich zeige Schminkvideos speziell mit Naturkosmetik, beschäftige mich mit Themen aus der Persönlichkeitsentwicklung und Spiritualität aber auch Gesundheitsthemen. Zum Beispiel habe ich meine Brustkrebserkrankung dokumentiert oder über meine Zahnspange berichtet.

AE: Wie bist Du dazu gekommen, YouTuberin/Bloggerin zu werden? 
Christine: Wie vieles bei mir im Leben ist es einfach so passiert. Als ich 2009 mit meinen Tätigkeiten gestartet bin, zuerst noch nebenberuflich, habe ich mir eine Webseite erstellt. Mir war es wichtig regelmäßig zu posten, also habe ich in Blogbeiträgen angefangen über meine Tätigkeiten zu berichten. Durch die Social Media Kanäle hat man heute so viele Möglichkeiten die Reichweite zu erhöhen und bekannter zu werden und diese habe ich auch genutzt, zum Beispiel mit dem YouTube Kanal. Im Laufe der Zeit hatte ich mit so vielen Leuten zu tun und es war dann für mich der einfachste und schnellste Weg meine Infos zu verbreiten. So wussten viele Menschen schnell und gleichzeitig Bescheid, das ist sehr praktisch!

AE: Seit wie vielen Jahren machst du das bereits?
Christine: Meine erste Webseite habe ich 2009 für die nebenberuflichen Wellnessmassagen gebaut, mit YouTube bin ich 2013 gestartet als ich schon als Make-Up Artist hauptberuflich gearbeitet habe.

AE: Wie viel Zeit nimmt das Bloggen in Anspruch und wie bekommst Du das mit Deinem Beruf unter einen Hut?
Christine: Es nimmt ziemlich viel Zeit in Anspruch alle Medien zu bedienen. Seit Anfang des Jahres habe ich einen Podcast (Soulbeauty) bei dem jede Woche eine neue Audio-Folge online geht. Auf YouTube hatte ich früher auch einmal wöchentlich ein neues Video, da bin ich inzwischen nicht mehr ganz so strikt. Allerdings kommt es immer auf das Video an. Ein Video in dem ich mich hinsetze und über etwas erzähle ist weniger aufwendig wie ein Schminktutorial wo ich dann viel schneiden muss. Auf dem Blog schreibe ich ebenfalls einmal in der Woche einen neuen Artikel. Allerdings hoste ich den Podcast über den Blog und schreibe dafür auch einen eigenen Post mit den Shownotes. Ich plane mir ein bis zwei Tage die Woche dafür ein.

Christine Raab. Foto: Timo Raab ( www.timoraab.de)

Christine Raab. Foto: Timo Raab ( www.timoraab.de)

Um es mal an einem Beispiel festzumachen: Vor kurzem habe ich meine Lieblingsyogahilfsmittel vorgestellt. Dafür teste ich ja einige der Produkte erstmal, dann schreibe ich meinen Artikel. Ich fotografiere die Produkte, bearbeite die Bilder und optimiere sie für die Seite. Dann werden Bilder im Text eingefügt und ich suche noch passende Links raus. In dem Fall habe ich verschiedene Produkte in einem Onlineshop oder auf Amazon verlinkt und außerdem Beispielasanas genannt und natürlich auch zu entsprechenden YouTube Videos verlinkt. Insgesamt sitzt man an so einem Post also schon mehrere Stunden.

AE: Über welches Thema bloggst du am liebsten?
Christine: Aktuell blogge ich am liebsten über Yoga und spirituelle Themen, da ich mich selbst damit am meisten befasse. Meine Brustkrebserkrankung ist vorbei und die Zahnspange ist inzwischen auch draußen, sodass ich darüber im Normalfall nicht mehr blogge (außer vielleicht 1-2x/Jahr um einen aktuellen Zwischenstand zu geben). Ich liebe es den Menschen mit meinen Posts helfen zu können, deshalb zeige ich zum Beispiel auch regelmäßig meine Brautstylings und erkläre wie ich was geschminkt habe – das macht mir auch Spaß!

AE: Vor knapp drei Jahren bekamst du die Diagnose Brustkrebs, womit Du ganz offen in Deinen Videos umgehst. Was hat Dich dazu bewegt, Deine Geschichte mit der Öffentlichkeit zu teilen?
Christine: Die Brustkrebsdiagnose war damals ein ziemlicher Schock. Doch direkt nach den eigentlichen Sorgen um die Gesundheit habe ich mir extrem viele Sorgen um mein berufliches Dasein gemacht. Wie wird es weitergehen? Wie sage ich ab? Wo kommt Geld her? Dadurch, dass ich beruflich mit sehr vielen Leuten zu tun habe hatte ich Bedenken, wenn ich nach einigen Monaten Bekannte in der Stadt treffe und die dann geschockt sind weil ich wohl eine Glatze von der Chemotherapie haben werde. Das wollte ich einfach von vornherein umgehen, also habe ich ein Video dazu gemacht. So konnte ich sehr viele Menschen gleichzeitig informieren und ich hatte das Gefühl dann auch weiterhin offen damit umgehen zu können.

Am Tag vor der letzten Chemo. Foto: Timo Raab ( www.timoraab.de)

Am Tag vor der letzten Chemo. Foto: Timo Raab ( www.timoraab.de)

AE: Mit Deinen Videos machst Du Brustkrebspatientinnen Mut, gibst u.a. Schmink-Tipps und zeigst, dass man sich nicht verstecken muss. Bekommst Du hierzu viel Feedback von Betroffenen? Was war für Dich das Schönste oder Bewegendste?
Christine: Ich bekomme nach wie vor viele Nachrichten und Feedback von anderen Brustkrebs Betroffenen. Es freut mich total, dass – obwohl es natürlich keine schöne Situation war/ist – ich trotzdem so etwas Gutes daraus geschaffen habe. Andere Menschen fühlen sich von mir bestärkt und motiviert oder können sich, dank der Schminktipps, schöner und damit besser fühlen. Das ist wirklich toll! Vor ca. einem Jahr habe ich mit meinem Mann (Timo Raab, Fotograf) einen „Krebs-Shooting-Tag“ gestartet, wo wir andere Krebspatientinnen kostenlos geschminkt und fotografiert haben. Das war auch sehr toll, weil die Mädels sich dadurch so extrem schön und gut gefühlt haben.

AE: Wie kam die Idee zustande, Yoga-Kurse speziell für Brustkrebspatientinnen anzubieten?
Christine: Die Idee Yogakurse für Brustkrebspatientinnen anzubieten kam mir eigentlich während meiner Reha, denn dort war ich im Reha Yoga. Ich selbst habe gemerkt wie gut mir Yoga tat bzw. immer noch tut und habe dann ab 2016 die Yogalehrer Ausbildung gemacht. Gleichzeitig kam irgendwann meine Ausbilderin auf mich zu und hatte eben genau diese Idee. Ich würde mir sehr wünschen damit einen Raum zu schaffen für diese Frauen (wobei ja auch Männer Brustkrebs haben können!), wo sie sich und ihrem Körper, aber auch dem Geist und der Seele etwas Gutes tun können! Wir möchten mit dem Kurs in Großostheim ab Oktober starten.

AE: Welchen Rat kannst Du den Frauen geben, die mit der Diagnose Brustkrebs konfrontiert werden?
Christine: Wir leben zum Glück in einer Zeit und in einem Teil der Welt wo Brustkrebs sehr gut erforscht und geheilt werden kann. Dafür können wir dankbar sein. Auch wenn die Behandlung selbst sicherlich alles andere als schön ist – sie ist zu überstehen! Die Zeit geht schneller rum als man sich vorstellen kann. Ich würde raten sich genug Zeit zum gesund werden zu nehmen. Die Arbeit kann immer warten! Man sollte versuchen das Beste aus der Situation zu machen, offen damit umgehen und weiterhin Kontakt zu anderen haben und sich freudige Momente schaffen. Ich war während der Chemo-Zeit auch mal auf einem Konzert oder lecker essen. Das muss man einfach schauen wie es einem geht und hier auf jeden Fall auf sich und den Körper hören.

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