Apfelernte. Foto: Fabian Maier.
Apfelernte. Foto: Fabian Maier.

Erntedank – Was ist das überhaupt?

Man geht in den Discounter und kauft sich Lebensmittel. Einfach, nicht wahr? Man läuft durch die Innenstadt von Aschaffenburg und freut sich im Oktober über die üppige herbstliche Dekoration in den Schaufenstern. Schön oder? Dicke Kürbisse hier im Geschäft, viele Äpfel, Kürbissen und Trauben dort in der Auslage. Egal ob Optiker, Modegeschäft oder auch die ein oder andere Bäckerei. Man schmückt sich gerne mit reichlich Obst und Gemüse zur bunten Jahreszeit. Aber macht man sich als gewöhnlicher Konsument oder Passant überhaupt Gedanken, was der Ernteschmuck denn eigentlich wert ist und woher er kommt?

Was wird gefeiert?

Klar, das Obst und Gemüse kommt wohl vom regionalen oder auch industriellen Bauern. Und woher haben die ihre Ernte? Zum einen natürlich von der ganzen Arbeit und zum anderen von ganz oben, von Gott. Das sagt zumindest der Erntedankbrauch der katholischen Kirche. Mit dem Erntedankfest zum ersten Sonntag im Oktober feiert man die Gaben der Natur, die für unser Wohl sorgen. Im weitesten Sinne ist das Erntedankfest ein kleines Weihnachten im Oktober, nur mit dem Unterschied, dass wir uns nicht gegenseitig beschenken, sondern alle beschenkt werden.

Äpfel vom eigenen Acker. Foto: Fabian Maier.

Äpfel vom eigenen Acker. Foto: Fabian Maier.

Woher kommt der Brauch?

Den Erntedankbrauch gibt es schon sehr sehr lange und wird in vielen Kulturen unterschiedlich gefeiert. Eine genaue Datierung findet man schwerlich. Aber noch heute erkennt man einige erhaltene Traditionen aus vergangenen Zeiten. So erklärt ein Mitglied des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege gegenüber der Augsburger Allgemeinen, dass die Feier mit Erntekronen und Kränzen z.B. auf das Mittelalter zurückzuführen ist. Die Bauern hätten damals mit der symbolischen Übergabe von Erntekronen an den Landbesitzer das Ende der Erntezeit beschlossen und durften im Gegenzug bei Festen zu Hofe mit Speiß und Trank feiern.

Erntedankfest = Thanksgiving?

Das europäische Erntedankfest ist zwar ähnlich zu dem vermeintlichen amerikanischen Pendant, unterscheidet sich jedoch in mehreren Punkten. Es wird zum Beispiel im November anstatt Oktober gefeiert und geht auf eine Legende der amerikanischen Pilgerväter im 17 Jhd. zurück. Ebenfalls ist der Brauch mit dem Truthahn in deutschen Küchen noch nicht angekommen.

Stellenwert früher und heute

Viele Großeltern werden sich vielleicht noch an Zeiten erinnern, in denen es keine allgegenwärtigen Discounter und Lebensmittelgeschäfte gab und die Ernte einen sehr viel höheren Stellenwert hatte. Man muss sich nur einmal an den schweren Hungerwinter 1946 zurückerinnern. Ein heißer Sommer und die Nachwirkungen des Krieges hatten damals die Felder der Bauern zerstört und somit auch einen Großteil der Ernte. Arbeiter gab es auch zu wenige und Deutschland musste seine Reparationen zurückzahlen. Die Folge war eine große Hungersnot in einem der schwersten Winter mit tausenden Toten. Die Existenz hing also von der Ernte ab.

Heute

Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass man früher mit üppigen Erntedankfesten das Leben auf der Erde mehr zelebrierte, als heute. Festumzüge in Dörfern mit Blaskapellen, Trachten und Tradition waren keine Seltenheit. Heute sieht man davon nur noch sehr wenig. Besonders in großen Städten erinnern nur noch einige wenige Herbstmärkte an den Brauch und versuchen symbolisch die Verbindung zwischen Stadt und Land zu schaffen.

 

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