Johanna Rath im Portrait. Fotos: Papay Landois GmbH.
Johanna Rath im Portrait. Fotos: Papay Landois GmbH.

Johanna Rath: die Strafverteidigerin im Interview

Johanna Rath ist Strafverteidigern, Stadträtin in Aschaffenburg und kandidiert 2018 für den Landtag. Wir haben die junge Juristin, die sich politisch für die Stadt einsetzt und seit 10 Jahren in einer Männerdomäne erfolgreich arbeitet, interviewt:

Aschaffenburg erleben: Wie vereint man den Beruf Strafverteidiger mit seinem Gewissen?

Der Beruf des Strafverteidigers ist keine Frage des Gewissens oder ein moralisches Problem. Man muss sich nur die Aufgabe vor Augen halten, die man als Strafverteidiger hat. Die Justiz ist ein System, in welchem jeder Einzelne seine Aufgabe hat. Als Strafverteidigerin bin ich Fürsprecherin der Mandanten und nehme die Aufgabe wahr, die mir das Gesetz, die Strafprozessordnung, zuteilt. Als Verteidiger ist man nicht dafür da, die Wahrheit herauszufinden oder hat zu urteilen, sondern hat ausschließlich seinen Mandanten zu verteidigen mit den Mitteln, die das Gesetz zur Verfügung stellt. Jeder Beschuldigte hat ein Recht auf einen Verteidiger. Sobald man emotional zu sehr involviert ist oder zum Beispiel starke Zweifel hat, verteidigt man ungenügend und sollte das Mandat ablehnen.

Aschaffenburg erleben:Was genau sind Deine Aufgaben?

Die Aufgaben des Verteidigers variieren. Immer stellt sich als entscheidende Frage, ob der Mandant reden oder schweigen soll. Wenn die Schuld des Mandanten auch nur im Geringsten zweifelhaft ist, hat man das Ziel erreicht, wenn man einen Freispruch erzielt. Dies kann durch Reden oder Schweigen geschehen. Meinen Job habe ich auch dann erfüllt, wenn ich einen Schuldigen dazu bewege, ein vernünftiges Geständnis abzulegen und die Entstehungsgeschichte seiner Tat so plausibel darzustellen, dass er ein angemessenes Urteil bekommt.

Aschaffenburg erleben: Wie verschafft man sich in dieser Männerdomäne bei Mandanten und Kollegen Respekt?

Ich denke, dass man sich – egal ob Frau oder Mann – dann Respekt verschafft, wenn man seine Fachkompetenz deutlich macht. Unterm Strich zählen für die Mandanten die Erfolge, die erzielt werden. Seit über zehn Jahren bin ich im Anwaltsberuf tätig und meine Mandanten wissen, dass ich mich für sie einsetze und sie sich auf mich verlassen können. 

Mein Motto in Bezug auf meine Tätigkeit lautet, nicht darüber nachzudenken, ob und wie ich mich durchsetzen könnte, sondern einfach zu machen.

Aschaffenburg erleben: Wie sehr nimmt man den Beruf nach Feierabend mit ins Privatleben?

Gerade im Strafrecht ist es erforderlich, den nötigen emotionalen Abstand zu seinen Mandanten zu wahren, um gut verteidigen zu können. Daher beruht das Mandatsverhältnis immer auf großer Distanz. Als Strafverteidigerin sehe ich mich als eine Art Fürsprecherin für die Mandanten.

Wenn man das beachtet, ist es auch kein Problem, nach Feierabend vollständig abzuschalten. Sicherlich gibt es auch Fälle, die nahe gehen und die man gedanklich mit nach Hause nimmt, was sicherlich daran liegt, dass man im Strafrecht oft mit schweren menschlichen Schicksalen, menschlichen Abgründen und Ausnahmesituationen zu tun hat.

Aschaffenburg erleben: Was sind die klassischen Strafrechtsfälle, die Du bearbeitest?

Meine Tätigkeit geht quer durch das gesamte Strafrecht: vom einfachen Diebstahl, über Einbruchstaten, Körperverletzungsdelikte, Raub, Erpressung, das Betäubungsmittelstrafrecht, Betrugstaten, (versuchten) Tötungsdelikten und Wirtschaftsstraftaten ist alles dabei.

Aschaffenburg erleben: Wenn man im TV auf die diversen Kriminalserien einen Blick wirft, inwiefern sind die Geschehnisse im Fernsehen aus juristischer Sicht realistisch?

Die Wirklichkeit ist oft packender als jeder Krimi und bietet daher genug sehr realistischen Stoff für Krimiserien– und Filme. Bestes Beispiel hierfür sind die verfilmten Strafrechtsfälle des sehr bekannten Strafverteidigers Herrn Ferdinand von Schirach. Die Vorlage für seine Bücher, aus denen die Filme gemacht werden, beruhen ja gerade auf seinen realen Fällen.

Viele meiner Fälle eignen sich als Vorlage für einen spannenden Krimi: beispielsweise ein Fall, bei dem ich eine Beschuldigte vertreten habe, über eine große Indoorplantage in der Region Aschaffenburg. Es wurde dort Marihuana und Cannabis im großen Stil angebaut. Um die Pflanzen kümmerten sich professionell dort von den Betreibern der Plantage beschäftigte Gärtner. Oder ein Fall über einen Mandanten, der als so genannter Bodypacker fungierte und mit fast 90 Fingerlingen voller reinem Kokain im Körper über Südamerika kommend auf dem Weg zurück in sein Heimatland nach Ost-Europa bei Aschaffenburg geschnappt wurde. So könnte ich eine Reihe von realen Fällen aufzählen, deren Geschichten gute Drehbuchvorlagen wären.

Aschaffenburg erleben: Neben Deinem Beruf engagierst Du Dich als Stadträtin in Aschaffenburg. Woher kommt die Leidenschaft zur Lokalpolitik?

Seit 2014 bin ich Stadträtin für die CSU-Fraktion in Aschaffenburg. Als politischer „Spätzünder“ habe ich mich gut in die Stadtratsarbeit eingefunden und freue mich, dass es so gekommen ist. Ehrenamtliche Tätigkeit liegt mir sehr am Herzen. Mit Leib und Seele setze ich mich daher gerne für meine Heimatstadt Aschaffenburg und die Bürgeranliegen ein.

Aschaffenburg erleben: Du kandidierst für die CSU bei der Landtagswahl 2018 auf dem Listenplatz 18. Wie realistisch ist Deine Chance?

Als ich gefragt wurde, ob ich mich für die Landtagswahl für die unterfränkische Liste aufstellen lasse, habe ich mich sehr gefreut. Ich starte von Platz 18 mit wenig realistischen Chancen, in den Landtag zu kommen. Dennoch zählt jede Stimme, damit Bayern stark bleibt wie es ist und die politische Mitte gestärkt wird. Es sollte kein Raum gelassen werden für links- oder rechtsradikal orientierte Parteien.

Aschaffenburg erleben: Welche Ideen würdest Du im Landtag für die Region Aschaffenburg einbringen? 

Als Landtagsabgeordnete wäre ich gerne eine starke Stimme in München für die wunderschöne Region Aschaffenburg. Ich würde alles daran setzen, dass die Region Aschaffenburg am Untermain weiterhin zu einem der beliebtesten in ganz Deutschland gehört und mich für alle Bürgeranliegen mit Herzblut einsetzen.

Aschaffenburg erleben: Zum Abschluss: Was ist Dein Lieblingsplatz in Aschaffenburg für die Mittagspause, nach Feierabend und an einem freien Tag?

Es gibt so viele schöne Orte in Aschaffenburg. Heute beispielsweise nach einer Strafverhandlung, die den gesamten Vormittag angedauert hat, gab es auf dem Rückweg zur Kanzlei erst mal einen Café Latte to go im Baaila, in der Mittagspause eine Runde Tennis – ohne Sport wird die Laune schlecht – und nach Feierabend werde ich mit Freunden im Il Cucinaio einen Sundowner genießen.

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