Justiz_Gericht_AB002A

Schüler urteilen über Straftäter? – Teen Court in Aschaffenburg

Schüler urteilen über Schüler – In Amerika ist das Prinzip der Teen Courts schon Gang und Gebe. Und auch in Deutschland setzen sich die Schülergremien langsam durch. Aschaffenburg gilt bundesweit als die erste Stadt, in der sich Schüler im Auftrag der Staatsanwaltschaft mit Straftaten Jugendlicher befassen.

Seit 2000 in Aschaffenburg

Im Jahr 2000 wurde das erste kriminalpädagogische Schülerprojekt – so der amtliche Name der Team Courts – von der Polizeiinspektion Aschaffenburg und dem Verein „Hilfe zur Selbsthilfe e.V“ ins Leben gerufen. Mittlerweile gibt es sie in ganz Deutschland, in Bayern unter anderem in Ingolstadt, Ansbach, Memmingen, Augsburg, Landshut, Dillingen und Neu-Ulm.

Wer sind die Schülerrichter?

Die beteiligten Schülerinnen und Schüler gehören Gymnasien, Realschulen, Hauptschulen, Fachoberschulen und Berufsschulen an und sind zwischen 14 und 20 Jahre alt. Sie wirken ausschließlich in ihrer Freizeit im Schülergremium mit, die Teilnahme dabei immer freiwillig und unentgeltlich. Um der Aufgabe des „Schülerrichters“ auch entsprechend gewachsen zu sein, werden die Jugendlichen im Vorhinein durch spezielle Schulungen auf ihre Tätigkeit im Court vorbereitet.

Positiver Einfluss auf alle Beteiligten

Ziel der Einführung eines Schülergremiums: den positiven Einfluss Gleichaltriger auf die jugendlichen Beschuldigten nutzen. Denn oft können missbilligende Reaktionen von Altersgenossen die Täter vom Unrecht ihrer Straftat überzeugen und sie zum Umdenken bewegen. Auch finden Gleichaltrige in den meisten Fällen leichter Zugang zu den jugendlichen Beschuldigten als Erwachsene und können so leichter die Hintergründe und Motive der Tat ergründen.

Darüber hinaus sammeln auch die mitwirkenden Schüler wertvolle Erfahrungen. Die Beteiligten lernen wichtige Bereiche des Jugendstrafrechts kennen und übernehmen durch ihre Tätigkeit Verantwortung für junge Menschen und die Durchsetzung der Rechtsordnung.

Sind die Schülerrichter“ tatsächlich Richter?

Wichtig hierbei zu erwähnen: die bayerischen Teen Courts sind keineswegs echte Gerichte. Die Schülergremien können weder Strafen verhängen noch vollstrecken. Vielmehr werden geeignete Fälle an die Teen Courts weitergeleitet und die Beteiligten sprechen mit dem jugendlichen Straftäter über dessen Tat. Dabei können die Mitglieder zum Beispiel „erzieherische Maßnahmen der Wiedergutmachung“ vereinbaren und die Erfüllung dieser überwachen.

Den Schülern werden lediglich Fälle geringerer Kriminalität zugewiesen. Dabei muss der Täter geständig und mit dem Verfahren einverstanden sein. Das Ergebnis wird anschließend von der Staatsanwaltschaft bei ihrer abschließenden Entscheidung berücksichtigt. Die Schüler sind während der Verfahren natürlich nicht auf sich alleine gestellt. Jedes der Projekte wird durch Mitarbeiter von freien Trägern der Jugendhilfe sozialpädagogisch betreut.

Teen Courts als Erfolgsprojekt

Die Teen Courts sind laut Justizministerium Bayerns ein Erfolgsprojekt. Neben den positiven praktischen Erfahrungen hätten auch zwei Studien ergeben, dass die Verfahren in 96 bis 97 % der untersuchten Fälle erfolgreich abgeschlossen werden konnten.

- ANZEIGE -

AUCH INTERESSANT